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Wie komm ich an ein Sabbatical

Wie komm ich an ein Sabbatical?

Immer öfter hört man das Wort Sabbatical… Was sich dahinter verbirgt und wie es da rechtlich aussieht, ist das Thema dieses Beitrags.
Also: Wie komm ich an ein Sabbatical?

Wie komm ich an ein Sabbatical
Wie komm ich an ein Sabbatical

Das Wichtigste ist erst mal die Entscheidung!
Denn wenn man etwas wirklich will, findet man immer einen Weg.
Allerdings gibt es im Arbeitsrecht keine einheitliche, rechtliche Regel für ein Sabbatical. Alle Beamten zum Beispiel, haben einen rechtlichen Anspruch auf eine “Auszeit”.
Bei allen anderen Beschäftigten kommt es auf den Arbeitgeber an! Wenn Du Selbstständig bist, wird’s ganz schwierig…
Es sind halt doch nicht alle Menschen gleich…

Und wie komm ich jetzt an ein Sabbatical?

… indem Du frägst…
sabbatical stammt vom hebräischen Wort >schabat< ab. Auf deutsch bedeutet es aufhören oder ruhen. “Erfunden” haben es allerdings die Amis. Die Professoren an US-amerikanischen Universitäten führten den Begriff Sabbatical für ein Forschungssemester oder Freisemester während des Studiums ein.
Aber den Wunsch, die tägliche Tretmühle mal für ne gewisse Zeit zu verlassen, haben natürlich nicht nur Studenten und Professoren… Die Auszeit muss übrigens nicht ein Jahr dauern. Du kannst auch, wie ich, einen Monat oder aber, wenn Du zu Fuß um die Welt laufen willst auf unbestimmte Zeit nach einer Auszeit fragen.

Hinter der Sehnsucht nach einem Sabbatical können verschiedene Ideen und Motivationen stecken. Die einen haben Lust eine längere Reise zu machen. Andere wollen mehr Zeit in ein vernachlässigtes Hobby investieren. Oft ist der Auslöser aber ein körperliches und/oder seelisches Defizit. Wenn einem der Körper sagt: “ich kann nicht mehr”, fängt man irgendwann automatisch an sich zu fragen: wie komm ich an ein Sabbatical…

… Rein rechtlich…

Damit Du an ein Sabbatjahr ran kommst, auch wenn Du nicht im öffentlichen Dienst arbeitest, musst Du einige Vorbereitungen treffen. Dafür solltest Du am besten einige Monate oder gar Jahre im Voraus anfangen. je nachdem, was Du vor hast… An oberster Stelle steht dabei die Überzeugung des Arbeitgebers. Gibt dieser nicht sein “Ja”, stehen die Chancen für das Sabbatical eher schlecht. Schwer haben es diesbezüglich vor allem Arbeitnehmer in kleinen Betrieben. Denn tarifliche Regelungen gibt es erst für Betriebe ab 15 Mitarbeitern. Immerhin gibt es für Lehrer, Beamte und ähnlich gestellte Mitarbeiter im öffentlichen Dienst geregelte Grundlagen. Aus diesem Grund werde ich auf diese Gruppe nicht näher eingehen. Nicht böse sein… 😬.
Auch für Selbständige gibt es keine festgeschriebenen, rechtlichen Grundlagen. Allerdings müssen sie einen Vertreter finden, der bestehende Aufträge abwickelt. Oder sie warten, bis der „letzte“ Vertrag erfüllt ist.

Wie der Vorgesetzte am besten vom Sabbatjahr überzeugt werden kann, ist extrem vom Einzelfall abhängig. Eine der wichtigsten Fragen dabei ist: “Wie ist der Chef zum Thema Work-Life-Balance eingestellt?” Ist es diesem wichtig, dass Ruhezeiten eingehalten werden und ist er offen für neue Anregungen? Dann erhöht das die Chancen auf Zustimmung immens. Handelt es sich jedoch um einen Workaholic, der schon bei der Wahrnehmung vom gesetzlichen Urlaubsanspruch mit den Augen rollt, wird es richtig schwer. Zudem hab ich in verschiedenen Gesprächen erfahren müssen, dass, wenn man für ein “großes Unternehmen” arbeitet, die Chancen nicht automatisch steigen.

Ersatz muss her…

Das aller wichtigste im Gespräch mit Deinem Chef ist, dass Du ihm/ihr klar machen kannst, dass das Unternehmen während Deiner Abwesenheit nicht in die Insolvenz geht. Denn plötzlich bist Du durch Nichts und Niemand zu ersetzen, bist Du doch der wertvollste Mitarbeiter der Firma und hast ein Wissen, das sonst niemand hat!
Wähle also den Zeitraum Deiner geplanten Auszeit mit Bedacht. Schau Dir die Urlaubsplanung der Kollegen an, die Auftragslage im Geschäft. Schreib Dir Stichpunkte für das Gespräch mit dem Boss auf… Und dann Bauch rein, Brust raus, selbstbewusstes Lächeln aufsetzten und “denen da oben” klar machen, dass JEDER ersetzbar ist… Für den gewünschten Zeitraum zumindest.

Wer sich ausführlicher über die Rechtslage informieren will, kann sich hier richtig schlau lesen:
https://www.staufenbiel.de/magazin/arbeitsrecht.htmlk

Aber die Frage, wie komm ich an ein Sabbatical, ist nicht die einzige, die eine Antwort sucht. Man sollte sich auch fragen, wie finanziere ich die Auszeit? Es gibt verschiedene Möglichkeiten. Du solltest Dir VOR dem Gespräch mit Deinem Vorgesetzten klar sein, welches Auszeit Modell für Dich passt! Dazu solltest Du sie natürlich auch kennen.

Die Sabbatical Modelle und die Sache mit der Krankenversicherung und dem Arbeitsrecht.

Wie komm ich an ein Sabbatical mit unbezahltem (Sonder-) Urlaub?

Die einfachste Form ist unbezahlter (Sonder-) Urlaub. Dazu bedarf es nur eines Urlaubsantrags bzw. Eines Änderungsvertrags zum Arbeitsverhältnis. Bevor man sich für eine unbezahlte Auszeit entscheidet, sollte man sich über Folgendes klar sein: Privat Krankenversicherte verlieren in der Regel den gesetzlich vorgeschriebenen Arbeitgeberzuschuss zu ihrer Krankenversicherung. Aber auch gesetzlich Krankenversicherte müssen mit Einbußen rechnen. Dauert eine unbezahlte Freistellung länger als einen Monat, muss der Arbeitgeber keine Sozialversicherungsbeiträge mehr entrichten. Heißt: Er meldet Dich bei der Einzugsstelle ab. Also musst Du Dich selbst kranken- und pflegeversichern. Gerade wer eine längere Auszeit in einem Land außerhalb der EU und einigen weiteren europäischen Staaten verbringen will, sollte zum eigenen Schutz einen teureren Auslandskrankenschutz einplanen.

Von anderen Sozialversicherungsarten wie der Renten- und Arbeitslosenversicherung kannst Du Dich freistellen lassen. Dennoch kann auch eine freiwillige Rentenversicherung sinnvoll sein, um keine Anrechnungszeiten zu verlieren. Denn hier zählt jeder Monat und im schlechtesten Fall können später Ansprüche auf eine Alters- oder Erwerbsminderungsrente verfallen. Aber das ist erst ausschlaggebend, wenn Du länger als ein paar Wochen “weg” bleiben willst.

Fazit: Das unbezahlte Sabbatical ist einfacher zu vereinbaren, kommt aber teurer als gedacht.

Wie komm ich an ein Sabbatical das einem Teilzeitmodell gleichkommt?

Ein weiteres weitverbreitetes Sabbatical-Modell ist das Teilzeitmodell. Als Beschäftigter vereinbart man dazu vor Beginn des Sabbaticals eine Teilzeitbeschäftigung. Aber man arbeitet für entsprechend niedrigeres Gehalt in Vollzeit weiter. Den in der Ansparphase einbehaltenen Lohn zahlt der Arbeitgeber später in der Freistellungsphase aus. Voraussetzung für die Anwendung des Teilzeitgesetzes ist allerdings eine Betriebsgröße von 15 Mitarbeitern und eine bisherige Beschäftigung von mindestens sechs Monaten. Aus betrieblichen Gründen kann der Arbeitgeber den Teilzeitanspruch ablehnen.

Fazit: Das Teilzeitmodell ist mit finanziellen Einbußen während der Ansparphase verbunden. Dafür erhält man im Sabbatical finanzielle Mittel und ist darüber hinaus weiter sozial versichert.

Wie komm ich an ein Sabbatical das einem Ansparmodell mit Zeitkonto gleichkommt?

Eine weitere Möglichkeit ist, eine Zeit lang mehr zu arbeiten. Die über die unveränderte Arbeitszeit hinaus geleisteten Überstunden wandern auf ein sogenanntes Zeitwertkonto. Bei der Mehrarbeit ist jedoch das für Arbeitnehmer geltende Arbeitszeitgesetz zu beachten. Mehr als zehn Stunden am Tag dürfen es nicht sein und auch der Zeitraum der Mehrarbeit ist begrenzt. Das Ansparen kann längere Zeit in Anspruch nehmen. Aus diesem Grund kannst Du versuchen, weitere Zeiten anzusparen, indem Du etwa auf die Auszahlung von Weihnachtsgeld und Urlaubsgeld verzichtest und sie als “Stunden” gutschreiben lässt. Außerdem lassen sich Urlaubstage und eine eventuell bereits vorhandene Überstundenzahl auf das Zeitwertkonto einbringen.

Fazit: Das Ansparmodell ist eine Alternative zum Teilzeitmodell. In der Regel erfordert es einen geringeren Verzicht in der Ansparphase. Vorteil ist auch hier eine bessere Absicherung des Sabbaticals in finanzieller und sozialversicherungsrechtlicher Hinsicht.

Sabbatical Regelung nach der Rückkehr

Bei aller Freude über die Auszeit, sollte auch der Wiedereinstieg geregelt sein. Wer seinen alten Job nicht verlieren will, sollte unbedingt einen Rückkehranspruch in die alte Position und ein Verbot betriebsbedingter Kündigung mit dem Arbeitgeber vereinbaren. Damit das bei Teilzeit- und Ansparmodellen angesparte Guthaben dadurch nicht in Gefahr gerät, sollte eine insolvenzrechtliche Absicherung auf keinen Fall fehlen. Um sich zu guter Letzt auch noch gegen einen gesundheitsbedingten vorzeitigen Abbruch des Sabbaticals abzusichern, kann man eine für diesen Fall geltende Verlängerungsoption vereinbaren.

Da ist noch die Sache mit den Neidern…

Und die ist nicht zu unterschätzen. Hast Du Deine Obrigkeit überzeugt, sollte Dir klar sein, dass sich nicht alle für Dich freuen. Deine Kollegen müssen ja schließlich Deine Arbeit mit erledigen, solang Du weg bist. Außer, für Dich kommt ein Zeitarbeiter… Eher unwahrscheinlich! Überlege Dir also genau, wem Du wann, was erzählst.

So, jetzt habt Ihr mal einen groben Überblick.

Wenn Ihr irgendwas genauer wissen wollt, zögert nicht, mich zu fragen. Ich hab mir, wie Ihr Euch denken könnt, über die Frage: wie komm ich an ein Sabbatical, viele Gedanken gemacht!

Liebe Grüße,

Andrea

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3 Kommentare

  1. Sabbatical geht “immer” – ggf. kündigen!

    Selbständige müssen allerdings einen Vertreter finden, der bestehende Aufträge abwickelt. Oder sie warten, bis der “letzte” Vertrag erfüllt ist.

    Wieso müssen Deine Kolleg*innen Deine Arbeit mitmachen? Durch Dein Sabbatical ändert sich deren Arbeitsvertrag nicht – oder? Wenn es so wäre, liefe etwas schief…

    1. Hallo Flatter,
      vielen Dank für Deinen ausführlichen und konstruktiven Kommentar.
      … Meine Kolleg*innen müssen schon irgendwie meine Arbeit mitmachen. Ich bin ja in der Zeit meiner Abwesenheit nicht da. Heißt, wenn mein Chef deshalb nicht weniger Aufträge annimmt (oder in meinem Fall weniger Ware bestellt, die verräumt werden muss), muss es jemand anderes machen. Natürlich ändert sich deren Vertrag nicht. Aber sie müssen eventuell die eine oder andere Überstunde machen.
      Und… Oh weh… die Selbstständigen hab ich total vergessen…
      Vielen Dank,
      liebe Grüße,
      Andrea

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