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Rau(h)nächte im Bild

Rauhnächte – die 12 magischen Nächte!

Die Rauhnächte, auch Raunächte geschrieben, sind die 12 Nächte zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag.

Es heißt, in diesen Nächten lichten sich die Schleier zur Anderswelt – und für einen kurzen Moment beugt sich die Welt der Macht des Übernatürlichen… Die Rauhnächte waren (und sollten es eigentlich auch wirklich wieder werden) eine Zeit des Lauschens; sie mahnen uns, hinzuhören und wahrzunehmen – die Stimme unseres Herzens Ernst zu nehmen. Vor vielen… Sehr vielen Jahren, ruhte in diesen 12 Tagen und Nächten die Arbeit. Es wurde nicht mal Wäsche gewaschen (heute sagt der Volksmund, man solle keine dreckige Wäsche mit ins neue Jahr nehmen – viel Arbeit für die sonst so faule Hausfrau!). Haus und Hof wurden nach Einbruch der Dunkelheit nicht mehr verlassen und man sollte für all das Gute, das einem wiederfahren ist, Danke sagen!

Rau(h)nächte im Bild
Rau(h)nächte im Bild
Es sind Nächte außerhalb der Zeit, so heißt es…

Seid der frühen Neuzeit gelten die zwölf Nächte vom 25. Dezember bis zum 5. Januar als magische Phase, in denen die Naturgesetzte außer Kraft gesetzt sind. (Wobei das mittlerweile für alle Tage und Nächte eines Jahres gilt, mit wenigen Tagen Ausnahme). Die Rauhnächte entstanden einst mit der Umstellung vom Mond- auf den Sonnenkalender. Weil der Mondkalender elf Tage (oder eben zwölf Nächte) mehr hatte, wurden diese zwölf Nächte einfach an den Sonnenkalender drangehängt. Somit sind die Rauhnächte eigentlich eine Zeit, die es schon immer gegeben hat und doch neu erschaffen wurde! Die Rauhnächte heißen deshalb “Nächte”, weil es im hohen Norden im Dezember einfach nicht hell wird… also tagsüber…

Die Rauhnächte

Die erste Rauhnacht beginnt am Heilig Abend (der Mutternacht) um 24°° Uhr und dauert 24 Stunden (welch Wunder). Auch die folgenden Nächte sind, laut der keltischen Sage, heilige Nächte. Allerdings ist erst die letzte Nacht vom 5. auf den 6. Januar wieder eine ganz besondere, nämlich die Perchten-Nacht.
Alle, die sich schon mal mit der schwäbisch-allemannischen Fasnacht beschäftigt haben oder über den Jahreswechsel in den Alpen waren, kennen die Perchten-Läufe. In dieser letzten Rauhnacht werden die Dämonen und Geister mit Feuer und Rauch vertrieben. Das Thema “Rauhnächte und Weihnachten in der keltischen Welt” ist echt mega interessant. Wer mehr drüber wissen will, sollte sich mal durch diese Seite wühlen: http://www.jahreskreis.info/files/rauhnaechte.html  sie hält einen Wissensschatz bereit, der Seinesgleichen sucht!

Rau(h)nächte im Bild Winterfeuer in Ebershardt
Rau(h)nächte im Bild Winterfeuer in Ebershardt
Eine Zeit, so glaubten unsere Ahnen, die wie keine andere einen Blick hinter das Offensichtliche erlaubt.

Auf eine Welt, in der Geister und Dämonen durch unsere Höfe tanzen und Götter vom Himmel herabsteigen… um Wunder geschehen zu lassen, auch solche, die uns unheimlich erscheinen… Uns Angst machen…
Der germanische Gott Odin scharte zum Auftakt der Rauhnächte sein Gefolge um sich und ritt zur Erde herab, um bis zur Drei-Königs-Nacht Angst und Schrecken zu verbreiten.

Odin ist beharrlich auf der Suche nach Weisheit. Sein Wissen verdankt er zwei Raben, Hugin und Munin, die auf seinen Schultern sitzen und ihm alles erzählen, was auf der Welt geschieht, weshalb er auch der Rabengott heißt (schon sonderbar, Raben-Eltern sind doch alles andere als göttlich…). Odin gibt ein Auge als Pfand gegen einen Schluck aus Mimirs Brunnen, um seherische Kräfte zu bekommen. Nach der Überlieferung beneidete Odin die Nornen um ihre Fähigkeiten, Runen zu schreiben. Als er erfuhr, dass sich die Runen nur den „Würdigen“ offenbarten, hängte sich Odin am eigenen Speer an den Weltenbaum Yggdrasil. Er hing dort für neun Tage und Nächte, bis ihm die Runen erschienen.
Auch “Odin” ist ein Thema, zu dem es sich lohnt, mehr zu erlesen… z.B.:https://de.m.wikipedia.org/wiki/Odin

So war es angeraten, das Haus besser nicht zu verlassen…

Das hätte Chris Rea nicht gefallen, kein “Driving Home for Christmas”. In den Rauhnächten versammelten sich die Menschen an ihren Herdfeuern und machten das, wofür sonst keine Zeit war. Sie hielten inne, erzählten oder lauschten Geschichten, aßen und tranken zusammen. In diesen 12 “Tagen”, die keine Pflichten und keinen Alltag kannten (wer hat da eigentlich gekocht und Bier aus’m Keller geholt???), teilten sie, was wahrhaft kostbar ist. Nämlich Freundschaft, Verbundenheit, Zuneigung und vor allem Zeit! Zudem wurde jede Nacht eine Kerze ins Fenster gestellt, auf dass das Haus von bösen Geistern verschont bleibe. Außerdem wurde zum Ende der Rauhnächte das Haus mit weißem Salbei, schützendem Wacholder und kräftigendem Beifuß geräuchert. Sodele… Und jetzt wisse mer au, woher unsere Weihnachtsbräuche kommen… Obwohl die 3 Könige ja andere “Düfte” verwendet haben (sollen). Sie waren allerdings auch deutlich weiter im Süden unterwegs!

12 Nächte, 12 Monate… Zufall?

Teils teils… Natürlich ist es aus dem Jahr 2018 betrachtet weit hergeholt. Aber wir sind heutzutage ja auch fast nicht mal mehr in der Lage 12 Tage ohne Handy zu leben. Sozusagen eine Challenge, für die wir bereit wären Geld zu zahlen – 1 Woche im Nirvana ohne Netz, 666.- €, oder so! Auf jeden Fall soll, laut Überlieferungen, jede Rauhnacht für einen Monat stehen. Es heißt, was an diesen Tagen geschieht, wird sich als Tendenz im entsprechenden Monat manifestieren. Entscheidend war damals (und sollte es heute wieder werden) der Blick ins eigene Herz – die innere Seelenschau. Daraus ergibt sich die Frage: Was treibt mich – und was erfüllt mich wirklich…? Uns sollte (wieder) bewusst werden, das Reichtum etwas Nichtmaterielles ist. Was zählt ist Empathie, Freundschaft und Wertschätzung.

Wir sollten wieder lernen mit dem inneren Auge zu sehen, bevor uns am 6. Januar der Alltag, das Leben, zurückholt und wild wirbelnd mit sich reißt. Schlimmer, als Odin und seine Jagd Gesellschaft es je vermocht hätten!!

Letzte Grüße aus dem Jahr 2018,
bis nächstes Jahr,
Andrea

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